Video Blog – Die Edo-Zeit

江戸時代
Die Edo-Zeit

Japans Blüte der klassischen Künste

Wenn wir heute an das klassische Japan denken, dann haben wir Bilder von Geishas, Samurai oder mittelalterlichen Burgen vor Augen. Viele dieser Künste sind in der sog. Edo-Zeit zwischen 1603 und 1868 entstanden oder erlebten hier ihre Blüte.

Sengoku jidai – Das Jahrhundert der Kriege

Nahezu das gesamte 16. Jahrhundert in Japan war geprägt von Bürgerkriegen und lokalen Auseinandersetzungen. Dieses „verlorene“ Jahrhundert wird im Allgemeinen als Sengoku jidai bezeichnet – Das „Zeitalter der Kriege im ganzen Land“. Um die 250 verfeindete Feudalfürsten – sog. Daimyo – ließen ihre Samurai Krieger um die Vorherrschaft im Land kämpfen.

„Reichseiniger“ Tokugawa Ieyasu

Dem späteren Militärherrscher und Shogun Tokugawa Ieyasu gelang es mit der legendären Schlacht von Sekigahara sich an die Spitze der Feudalfürsten zu setzen und damit ein Ende der Kriege zu erzwingen. Was ihm den Beinamen Reichseiniger einbrachte.
Um diesen noch fragilen Frieden nicht zu gefährden und zu festigen, beschloss der Shogun Tokugawa Ieyasu zahlreiche neue Gesetze und Verordnungen und führten Japan damit in die neue Ära der Edo-Zeit.

Edo = Tokyo

Der Name Edo übrigens leitet sich ab von einem ehemaligen sumpfigen Fischerdorf, das zur größten Garnisonsstadt Japans aufgebaut wurde. Heute kennen wir dieses Fischerdorf unter dem modernen Namen Tokyo.

Einen Sack Flöhe hüten oder Wie man stolze Feudalfürsten kontrolliert

Die erste Frage, die sich hier stellt: wie schafft man es, über 250 stolze Fürsten und ihre Samurai Armeen ohne Waffengewalt unter einen Hut zu bekommen?
Die Antwort ist reichlich simpel: indem man sie finanziell ausbluten lässt.

Während nämlich die Daimyo-Fürsten in ihren Burgen in den Provinzen residierten, mussten ihre Frauen und Kinder in Edo bleiben, ganz in der Nähe der Burg des Shogun. Natürlich nicht eingekerkert, sondern standesgemäß in prächtigen – und teuren – Villen. Die Daimyo hatten also in der Regel ein Interesse daran, es sich nicht mit dem obersten Militärführer, dem Shogun, zu verscherzen, denn dieser wachte ja schließlich über deren Erben und Nachfolger.

Sankin kotai – Die aufwändige Reise nach Edo

Alle zwei Jahre mussten die Daimyo auf Geheiß das Shogun nach Edo zu reisen, um Ihre Aufwartung zu machen. Natürlich auf eigene Kosten. Und das mit manchmal bis zu 2.000 Gefolgsleuten.
Das alles ging so sehr ins Geld, dass es für private Fehden oder gar Kriege keine finanziellen Kapazitäten mehr gab.
Ein Konzept, das aufging: über 260 Jahre lang war Japan in keinerlei Kriege oder Konflikte verwickelt.

Sakoku – Ein abgeschlossenes Land

Eine weitere große Einschränken war die Abschließung des Landes nach außen. Als Sakoku bezeichnet. Mit wenigen Ausnahmen durfte niemand Japan betreten und niemand Japan verlassen. Dies hätte unweigerlich die Todesstrafe nach sich gezogen.
Durch diese Abgeschlossenheit konzentriert sich die japanische Gesellschaft ganz auf sich selbst, nahezu ohne Einflüsse von außen.
Es verfeinern sich die Künste wie der Teeweg (Sado), das Blumenstecken Ikebana, die Keramik, das Kabuki Theater oder die Künste der Geishas.

Meiji Restauration – Der Kaiser erlangt seine Macht zurück

Letztendlich sind es die Feudalfürsten im südwestlichen Kyushu –  am weitesten entfernt vom Shogunat in Edo, aber nahe an den japanischen Seegrenzen – die erkennen, dass auch Japan Opfer einer westlichen Kolonialisation werden könnte.
Sie drängen darauf, das System des Shogunats abzuschaffen und dem über Jahrhunderte politisch entmachteten japanischen Kaiser wieder die politische und militärische Kontrolle zu verschaffen.
1867 wird der Kaiser mit der Meiji Restauration offiziell wieder re-installiert, es folgt im folgenden Jahr der Beginn der Meiji Zeit.

Damit endet nach mehr als 260 krieglosen Jahren die Edo Zeit in Japan.